.STYLE

"Style" ist zweifellos das interessanteste Phänomen, das die Writingkultur hervorgebracht hat. Er beginnt dort, wo ein Buchstabe als Normschrift nicht bloss abgebildet, sondern vom Writer vorher irgendwie verändert wird. Ab hier hat Graffiti auch nichts mehr zu tun mit dem egomanischen Verbreiten seines Namens nach dem Motto "ich war hier", sondern hier beginnt das, was die Künstler gemeinhin als "Writing" bezeichnen. Style an sich bedarf keiner Sprühdose, keiner Farbe, radikal gesagt noch nicht einmal Papier und Bleistift. Es genügt praktisch schon, seiner Erscheinung als Idee oder Gedanke in der Immaginationskraft des Ausübenden
(natürlich könnte so die Kultur als Ganzes nur schlecht davon profitieren).
In der Praxis sind es oft ganz subtile millimeterweise Veränderungen einer Linie, die einen guten Style ausmachen oder einen schlechten verkacken. Style als Wissenschaft ist ein nahezu unerschöpflicher Bereich, und nicht zuletzt, weil es fast in der Natur der Sache liegt, dass jeder Writer seine ganz eigene Definition davon hat, würde der Versuch einer umfassenden Darstellung hier jeden Rahmen sprengen (wir verweisen auf einschlägige Literatur zum Thema z.B. "Style Writing from the Underground", erschienen bei IGTimes New York). Für den totalen Laien wollen wir nur einige Grundbegriffe erläutern.


1. Simplestyle
Hiermit beginnt es meistens für einen Writer. Simplestyle, d.h. einfache Buchstaben (für jedermann gut lesbar), die sich manchmal kaum von einer Normschrift unterscheiden, oder auch als "Blockbuster" (gerade und eckige Buchstaben meistens mit Serifen), oder "Bubblestyle" (runde aufgeblasene Buchstaben wie Luftballons) auftreten. Allerdings können Simplestyles auch schon mit Pfeilen, Sternen oder
sonstigen "Waffen" auftreten und derbe "abgestyled" sein. Der Name Simplestyle
bedeutet dabei nur, dass der Style sehr einfach lesbar bleibt, und nicht etwa
einfach auszuführen ist.


2. Wildstyle
Beim Wildstyle werden die Buchstaben bis zur Unleserlichkeit verändert. Die einzelnen Buchstaben werden zu einer Einheit verbunden und mit vielen Attributen wie Pfeilen, Swings oder Loops versehen. Ein Wildstyle sollte erst nach langer Übung ausgeführt werden , da er auf der Basis eines guten Simplestyle stehen muss. Manchmal ist von einem Anfänger oder Laien ein guter Wildstyle nicht von einem schlechten zu
unterscheiden. Ein geübter Writer kann einen schlechten Wildstyle jedoch sofort entlarven. Wildstyle ist meistens ein sehr subjektiver Ausdruck der nach einer langen Karriere eines Writers auftritt und schwer auf einer Battleebene (Wettbewerb) zu vergleichen ist.


3. Semi-Wildstyle
Die Buchstaben werden auf der Basis des Simplestyles soweit verändert, dass der Style
an jeder Stelle nachverfolgt werden kann und das Wort für einen Writer ohne Probleme gelesen werden kann. Die Buchstaben müssen in jedem Fall eindeutig bleiben, werden unter diesem Vorsatz jedoch so krass wie möglich abgestylt.
Diese Art des Styles wird von den meisten "Stylisten" bevorzugt. Sie bietet die besten Vergleichsmöglichkeiten im Battle, da auf einer klaren Basis gearbeitet wird.

Damit wären die wichtigsten drei Formen des Styles genannt in die sich alle Styles einordnen lassen. Darin gibt es natürlich noch unzählige Formen, die zum Teil nach ihren Schöpfern, Städten oder ihren Erscheinungen benannt sind (Bandostyle, Nordisch, New York Style, Boogie Down Style, Abgedreht, Paper Ribbom, 3D-Style usw.).

4. 3D-Style
Ein, vor allem unter den Vertretern der jüngeren Writergeneration, weit verbreiteter Irrtum ist, dass diese sogenannten „3D-Styles“ eine eigene Stylegattung darstellen. Das ist absoluter Schwachsinn! 3D ist eine Technik, wie etwa auch Schatten, Blocks u.a.. 3D wird ausschließlich verwendet, um den Buchstaben mehr Plastizität zu verleihen. 3D`s können aber auch einem Wildstyle, Semiwildstyle oder einem Simplestyle verliehen werden. Viele Toys von heute beschränken sich leider hauptsächlich nur noch eben auf die 3D-Techniken, während die Auseinandersetzung mit der Ästhetik der Buchstaben eher vernachlässigt wird. Aber laßt euch eines gesagt sein: Die Pioniere dieser 3D-Technik, wie etwa der legendäre „Delta“ von der Inc.-Crew aus Amsterdam/NL, hatten ihren Style, unter Berücksichtigung der Buchstabenästhetik längst entwickelt bevor sie sich an den 3D-Style heranwagten. Im Klartext: Sie brauchten keine 3D`s, um ihre Buchstaben schön wirken zu lassen; sie haben die Plastizität ihrer Buchstaben lediglich auf ein neues Level gehoben.

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